Eine Welt ohne Geld! Davon träumen nicht gerade wenige Menschen. Doch wie soll das gehen – die sogenannte Schenkökonomie? Ich muss doch Miete und Lebensmittel bezahlen? Es gibt da in Berlin ein paar Leute, die dafür an einer Lösung basteln: Ecobasa. Arne Bollinger, Gründer der Gift-Economy-Plattform, erzählt mehr.

Was ist Ecobasa und was wollt ihr erreichen?

Arne: Ecobasa ist ein Netzwerk, das Menschen in Verbindung bringt, damit sie Gemeinschaften und lokale Netzwerke einer Schenkökonomie bilden können. Das heißt, sie geben Wissen, Waren oder Dienstleistungen an Menschen, die das brauchen – ohne Gegenwert oder Erwartungen, in einem freien Geben und Schenken. Damit wollen wir eine Alternative zum Kapitalismus, der Ausbeutungslogik sowie dem Profit- und Konsumzwang aufbauen.

Wie kann ich mir das praktisch vorstellen: Was kann man durch euch machen und wie kann man das dann in sein Leben integrieren?

Arne: Das kommt darauf, zu welcher Nutzergruppen man gehört. Die größte Nutzergruppe sind die ganz normalen Menschen, die noch keinerlei Erfahrung mit der Schenkökonomie gemacht haben. Sie können über Ecobasa Gemeinschaften finden, die die Alternative der Schenkökonomie vorleben, diese kontaktieren, besuchen und mithelfen – ohne Geld zu bezahlen. In diesem Rahmen können alle Menschen neue Erfahrungen mit der Schenkökonomie und alternativen Lebensformen machen.

Die zweite Zielgruppe sind Menschen, die bereits Gemeinschaften besuchen und über die Plattform ihre Reisen organisieren können. Sie können sich beispielsweise Karawanen bilden oder sich Leuten anschließen, Dinge überbringen oder schauen, wer wann welche Hilfe und Unterstützung braucht. Und zur dritten Zielgruppe gehören natürlich die Gemeinschaften selbst, die über Ecobasa die Unterstützung finden können, die sie gerade brauchen.

Das heißt die unmittelbare Erfahrung steht im Vordergrund?

Arne: Ja. Wir bauen keine Plattform auf, über die man Dinge verschenken kann, sondern ein sehr reales Netzwerk zwischen den Gemeinschaften, die die Schenkökonomie bereits leben – und den Menschen, die dies kennenlernen möchten. Denn nur so kann man die aktuellen Probleme, die es in der Schenkökonomie noch gibt angehen – also beispielsweise eine freie Unterkunft statt Miete oder Selbstversorgung statt Abhängigkeit von der Nahrungsmittelindustrie. Wir arbeiten also daran, wie der Übergang von herkömmlichen Wirtschaftsweise zur Schenkökonomie aussehen kann.

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Lebt ihr denn die Schenkökonomie selbst?

Arne: Ich hab das zunächst versucht, bin aber sehr schnell an Grenzen gestoßen – bei mir selbst und bei anderen Menschen. Da gab es viel Skepsis und Misstrauen und ich hatte nicht genug Übung in der Kommunikation. Deshalb habe ich sehr viel Zeit gebraucht, um mein Lebensunterhalt zu sichern und hatte nicht mehr genug Zeit, um an einem so großen Projekt wie Ecobasa zu arbeiten. Daher habe ich mich für eine Übergangslösung entschieden zu der auch Geldverdienen gehört.

Was waren die typischen Probleme, auf die Du gestoßen bist?

Arne: Das sind vor allem die Konsum- und Gewohnheitsmuster, mit denen wir Probleme in unserer Gesellschaft angehen. Ich musste als erstes lernen, anders zu denken. Und zwar nicht linear – vom Problem zur Lösung, sondern eher in Kreisläufen. Wenn ich etwas brauchte, musste ich mir überlegen, wer jemanden kennt, der jemanden kennt für den ich etwas tun kann. Man muss also viel sozialer denken, als wir das gewohnt sind. Alles funktioniert dann über Beziehungen und Kommunikation.

Das hört sich so an, als ob man doch schon ganz schön zweckgebunden denken muss, um ohne Geld zu leben. Die Vorstellung einer Schenkökonomie, in der man gibt ohne etwas dafür zu erwarten, liegt da doch noch ganz schön fern – oder?

Arne: Das stimmt. Derzeit funktioniert unsere Welt komplett anders und so muss man auch etwas strategischer rangehen, wenn man ohne Geld leben möchte. Das bedeutet aber nicht, dass unser Zusammenleben zwangsläufig so funktionieren muss. Unser Ideal ist eine Umkehrung: Ich muss nicht mehr schauen, wo ich was herbekomme – weil jeder sich umschaut, was der andere gerade braucht und wie er ihn oder sie unterstützen kann.

Das ist natürlich ein Ideal, das noch sehr weit weg ist von unserer heutigen Gesellschaft. Aber das ist genau das, wo wir mit Ecobasa hin wollen: Auf der Plattform sieht man genau, wer was braucht und dann kann man sich mit demjenigen in Verbindung setzen und ihm oder ihr das geben.

Wie viel Mut braucht man zu so einem Leben ohne Geld?

Arne: Da braucht man schon Mut dazu. Doch vor allem habe ich gemerkt, dass es einem eben auch Mut machen kann. Denn wenn wir erkennen, dass wir nicht getrennt sind von den anderen und dass wir mit allen anderen Menschen verbunden sind – dann erkennen wir, dass wir uns nicht abgrenzen und beschützen müssen. Ja, gar nicht können.

In einer Schenkökonomie wird mehr als deutlich, dass die Verbindung mit anderen Menschen keine Gefahr ist, sondern eine Chance und Unterstützung. Das hat viel mit Vertrauen zu tun, aber auch mit Selbstvertrauen. Denn in so einem Netzwerk bin ich ja auch jemand, der andere unterstützen und seinen Teil beitragen kann.

Das wichtigste dabei ist, dass man diese positiven Erfahrungen selbst macht. Man kann das anderen nicht in der Theorie erklären. Erst wer das aus eigener Erfahrung heraus bestätigen kann, wird das erkennen. Deshalb wollen wir ja auch über Ecobasa allen Menschen eine Einstiegsmöglichkeit bieten, indem sie selbst die Gemeinschaften besuchen und diese Erfahrungen machen können.

Wie schafft man es, diese ermutigende Welt zu schaffen?

Arne: Den meisten Menschen fehlt vor allem das Wissen, wie sie die Zusammenarbeit auf einer Schenkbasis organisieren können. Sie haben einfach keine Werkzeuge, um Gemeinschaften zu bilden, in denen sie auf andere zugehen können, sich auf diese Prozesse einlassen können. Sie wissen nicht, wie sie ihre Kommunikation so gestalten können, dass eine positive Win-Win-Situation entstehen kann. Hier nutzen wir zum Beispiel Methoden aus der Soziokratie.

Das hat unsere Art miteinander zu kommunizieren und zu arbeiten sehr grundlegend verändert – und das hat schon das Weltbild so einiger Menschen ins Wanken gebracht.

Ihr habt 2014 eine Community Convergence gemacht, um genau diese selbstorganisierte Zusammenarbeit auf Basis der Schenkökonomie zu erproben. Was war das Ergebnis?

Arne: Wir haben sogar zwei Convergences gemacht: Eine in Berlin und eine in Rumänien. Sie waren vom Publikum und vom Ablauf her sehr unterschiedlich. In Berlin gab es ein sehr gemischtes, internationales Publikum, das sehr viel von uns Organisatoren erwartet hat – obwohl wir klar kommuniziert hatten, dass es kein Service-Team gibt und alles – bis hin zu den sanitären Anlagen – selbst organisiert ablaufen sollte.

In Rumänien waren die Leute die ganze Zeit zusammen, weil die Veranstaltung dort auf dem Land stattfand und es rundherum keine Ablenkung und nichts gab – noch nicht mal Internet-Zugang. Dort haben die Leute wesentlich mehr miteinander gemacht und auch echt was auf die Beine gestellt. Außerdem hatten wir in Berlin ein Defizit, obwohl die Leute nur 1,50 Euro pro Tag für die Vollverpflegung zahlen sollten. In Rumänien haben wir hingegen einen Überschuss gehabt, durch den wir das Defizit von Berlin zum Glück wieder ausgleichen konnten.

Was sind eure Pläne für das kommende Jahr?

Wir wollen das weitermachen, was wir 2014 angefangen haben: Wir wollen Convergences machen und Touren. Doch das soll selbstorganisiert aus den Gemeinschaften kommen. Dazu launchen wir demnächst die Plattform in einer Beta-Version. Hier findet man dann Tools wie Etherpads, Kalender, Doodles, To-Dos und vieles mehr. Außerdem unterstützen wir natürlich mit unserer Erfahrung.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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Links zum Thema Schenkökonomie / Ecobasa

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