Per E-Mail kann man gegen die Ausbeutung brasilianischer Zuckerrohr-Arbeiter protestieren – der unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gewonnene Zucker werde zu Dumping-Preisen nach Deutschland exportiert und hier für Agro-Sprit verwendet.

Der brasilianische Präsident Lula da Silva preist die Ethanolproduktion als „neue Epoche der Menschheit“, schreibt Rettet den Regenwald auf ihrer Website. Das Land solle damit zum Saudi Arabien des 21. Jahrhunderts und Führer einer „grünen OPEC“ aufsteigen. Auch die deutsche Regierung setzt laut Rettet den Regenwald auf billiges Ethanol aus Brasilien. Im Mai 2008 habe die Bundeskanzlerin Merkel dazu ein Deutsch-Brasilianisches Energieabkommen unterzeichnet.

Der Menschenrechtler Pater Tiago aus Brasilien berichtet in einem Interview mit dem Magazin Der Spiegel jedoch von einer ganz anderen Realität der Zuckerrohrschneider: „Das Versprechen von Biosprit ist eine Lüge … Sechs Tage pro Woche arbeiten die Männer im Akkord, in glühender Hitze, zwischen Staub und Asche … Die Arbeit ist extrem hart, und sie ist gefährlich. Viele werden krank, verletzen sich, manche sterben auf den Plantagen. Wenn sich die Deutschen Ethanol in den Tank kippen wollen, müssen sie wissen, dass sie auch Blut tanken“, so seine Worte.

Etwa 400.000 Zuckerrohrschneider arbeiten für Brasiliens Ethanol-Industrie. „Mit dem Öko-Boom werden es täglich mehr. Aber sehr viele von ihnen werden gehalten wie Sklaven. Die Arbeitsbedingungen sind grausam, die Löhne lächerlich, ihre Kinder hungern“, fährt Tiago fort. Die „Gesetze werden nicht befolgt und auch kaum durchgesetzt. Und wenn die Deutschen auf sauberen Agrosprit warten wollen, werden sie ewig warten. Abkommen und Vorschriften helfen da wenig.“

Zuckerrohr wird in Brasilien laut Rettet den Regenwald auf mittlerweile 7 Millionen Hektar angebaut – das entspricht der Fläche Bayerns – und entgegen aller Beteuerungen sogar Mitten im Amazonasregenwald. „Das Problem ist das Prinzip der Zuckerrohr-Monokultur auf dem Land – sie ist inhärent gewalttätig, sie verdrängt alles andere, in rasendem Tempo, weil die Nachfrage nach Ethanol international wächst“, so die Organisation. Die brasilianische Landpastorale CPT hat in einer aktuellen Studie nach Bundesstaaten geordnet das Vorrücken der Zuckerrohr- und Ethanolindustrie im Amazonasgebiet dokumentiert: In 2008 wurden dort allein über 19 Millionen Tonnen Zuckerrohr geerntet, Tendenz stark steigend.

MITMACHEN: Wer gegen diese Entwicklung ist – bei der ja, wie wir wissen, nicht nur direkt Menschen ausbeutet werden, indem sie unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen schuften müssen, sondern auch indirekt Ernährungs- und Klimaprobleme entstehen – der sollte sich an der Email-Aktion beteiligen: Einfach das vorgefertigte Formular ausfüllen und los schicken.

Weitere Infos: www.regenwald.org

Die Bildstrecke bei Spiegel Online zeigt eindringlich die Lebenssituation der brasilianischen Zuckerrohrschneider: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-39051.html#backToArticle=602457