Think MTV!

MTV ist ein bisschen in die Jahre gekommen. Nun soll eine Community entstauben…

Kaum einer kennt ihn nicht, den Musiksender MTV. Schließlich beliefert er die Welt schon seit 1981 mit News und Video-Clips rund um das Music- und Show-Biz. MTV war zunächst hip – immerhin das erste musikalische Spartenprogramm der Welt. Er war außergewöhnlich und verhalf der Music-Clip-Ästhetik zu einem Siegeszug rund um die Welt, beeinflusste die Sehgewohnheiten in der Werbung und schon bald auch in konventionellen Spielfilm- und Serienproduktionen. Der so genannte „MTV-Look“ galt lange Zeit als unverwechselbarer Ausdruck für den Zeitgeist der 80er und 90er Jahre, und prägte ganze Generationen Jugendlicher.

Viva, YouTube und Mp3

Nachdem es etwas stiller um den Sender wurde, sich das Programm veränderte und kommerzialisierte, verlor der Sender ein wenig den Anschluss an das Geschehen und den Draht zu den Jugendlichen. VIVA, VIVA2, MP3-Downloads, YouTube & Co. – die Konkurrenz wurde größer und es dauerte etwas, bis der mittlerweile zum mit 50 regionalen Ablegern in Afrika, Asien, Australien, Europa, Lateinamerika, Nordamerika, Russland und im Nahen Osten gewachsene Konzern reagierte.

Ein wesentlicher Bestandteil des Engagements mündete ins Internet ein, doch die „Jugend von heute“ ist verwöhnt und nutzt lieber weidlich die großen Communities mit Spaß- und Selbstdarstellungsfaktor wie MySpace, Facebook und Konsorten. Dazu kam, dass seit Anfang des neuen Jahrtausends, insbesondere seit dem 11. September 2001, auch der ethische und soziale Hintergrund im Internet mehr Bedeutung bekam.

Nun kommt Think MTV

Also startete man im letzten das Social-Network-Projekt „Think MTV“. Eigentlich eine Videoplattform wie mittlerweile hunderte andere auch. Das Besondere: Hier geht es nicht Karaoke-Clips, privat aufgezeichnete Lobhuddeleien für die Stars oder den letzten Wet-T-Shirt-Contest auf irgendeiner Ferieninsel – wie bei den meisten anderen Anbietern: „Die neue Online-Plattform soll vor allem soziale und politische Themen behandeln und Jugendliche auch in Sachen Umwelt, Gesundheit, Sexualität und Diskriminierung zu Diskussionen anregen.“

Ein engagiertes Vorhaben also, doch ein etwas säuerlicher Beigeschmack stellte sich ein bei dem Gedanken daran, das genau der Sender nun zu einer Insel der Moralität werden wollte, bei dem zeitgleich glitterbehängte Gangster-Rapper mit halb nackten „Babes“ in den Videos posierten und Formate wie „Jack Ass“ (Wir tun uns weh und filmen uns dabei) oder „dismissed“ (wir baggern herum und lassen uns filmen) gezeigt wurden. Nun ja. Der Einfluss von MTV auf die Jugend war noch nie als pastoral zu bezeichen.

wenn man sich das Portal heute anschaut, so hat sich doch einiges getan. Obligatorisch ist der Upload von Bildern und Videos, doch im Fall Think MTV blitzten neben den (doch nicht ganz vermeidbaren Celebrity-News) immer wieder auch Inhalte durch, die sich dem Ursprungsgedanken verpflichtet fühlen. Da sieht und hört man leidenschaftlich vorgetragene Rap-Songs mit politisch korrekter „Message“.

Weltverbessern inklusive

Da sieht und hört man Barack Obama (rauf und runter), aber auch engagierte Laien-Reportagen über die großen und kleine Mißstände dieser Welt und manchen Promi, der über die Gerechtigkeit der Welt sinniert. Das Interessante daran ist der internationale Charakter der sich nun mal aus der weltweiten MTV-Klientel generiert und das Ganze so zu einem Panoptikum globaler Weltverbesserungskommunikation macht. Und dafür allein hat es sich schon gelohnt, denn es ist gut, wenn ein Jugendlicher z.B. aus Herne hautnah miterlebt, dass andere nicht nur die selben Pickelprobleme haben, sondern auch dieselben Sehnsüchte, Hoffnungen und Ängste.

Ganz gleich, ob hier nun in bewährter Marketing-Strategie ein Großkonzern versucht, sich selbst zur Plattform seiner Zielgruppe zu machen – und (fast wie nebenbei) auch seine senderbedingten Inhalte und Nasen platziert. Wichtig ist was die Nutzer daraus machen, wie sie es erleben und – vielleicht am wichtigsten – sich für die Probleme dieser Welt öffnen. Was das betrifft, ist die Plattform also durchaus empfehlenswert und für alle, die über den deutschen Tellerrand sozialen Engagements hinaus schauen möchten eine interessante Anlaufadresse.

Autor: Marek Als kleiner Junge lief ich immer mit einem Bleistift in der Hand herum und fragte die Menschen in meiner Umgebung Löcher in den Bauch. Denn genauso stellte ich mir einen Reporter vor: wie einen Detektiv mit Schreibblock... Auch heute noch versuche ich gegen die Ungerechtigkeit in der Welt anzutreten – so wie meine Helden von damals. Und das Projekt „Für eine bessere Welt“ ist ein wichtiger Teil dieser Arbeit.
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