21 Mrz 2009

EU ist Klimaklotz

Keine Kommentare Europa & Weltpolitik

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»Die Finanz- und Wirt­schafts­krise stellt auf dem bevor­ste­hen­den Gip­fel der euro­päi­schen Staats- und Regie­rungs­chefs den in den Hin­ter­grund«, da befin­det Ger­man­watch und kri­ti­siert: »Wer Kli­ma­schutz zur Schönwetter- ver­kom­men lässt, dem wird der Kli­ma­wan­del selbst einen Strich durch die Rech­nung machen«, erklärt Chris­toph Bals, Poli­ti­scher Geschäfts­füh­rer von Germanwatch.

Inter­na­tio­nal hatte man gehofft, dass die ein deut­li­ches Signal vor der nächs­ten Runde der UN-Klimaverhandlungen setzt, die Ende März in Bonn beginnt. Ins­be­son­dere geht es darum, durch wel­che Instru­mente und in wel­cher Grö­ßen­ord­nung Geld für die Unter­stüt­zung von Tech­no­lo­gie­trans­fer, Wäl­der­schutz und Anpas­sung in den Ent­wick­lungs­län­dern zur Ver­fü­gung gestellt wer­den soll. Nach dem vor­lie­gen­den Ent­wurf ver­schie­ben aber die -Regie­rungs­chefs klare Aus­sa­gen über Instru­mente und Finanz­zu­sa­gen ein wei­te­res Mal in die Zukunft.

»Ohne ein kla­res Bekennt­nis der Euro­päi­schen Union, sich für die Instru­mente ein­zu­set­zen, die nach dem Ver­ur­sa­cher­prin­zip aus­rei­chend zusätz­li­ches Geld ein­brin­gen, wird der ver­meint­li­che Vor­rei­ter EU zum Brem­ser der inter­na­tio­na­len Kli­ma­ver­hand­lun­gen«, so Chris­toph Bals. »Die ein­deu­tige Bereit­schaft dazu, dass ein Teil der Emis­si­ons­er­laub­nisse für Indus­trie­staa­ten in Zukunft erstei­gert wer­den und der inter­na­tio­nale Flug- und Schiffs­ver­kehr für seine Emis­sio­nen bezah­len muss, wäre das not­wen­dige Signal der Ernst­haf­tig­keit. Diese zuver­läs­sige und dau­er­hafte Finan­zie­rung würde auch gewähr­leis­ten, dass hier nicht ein­fach das längst ver­spro­chene Geld für dop­pelt gezählt wird.«

Sven Har­me­ling, Refe­rent für Klima und Ent­wick­lung bei Ger­man­watch: »Die euro­päi­schen Nicht­re­gie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern die EU dar­über hin­aus auf, eine klare Summe für die Unter­stüt­zung der Ent­wick­lungs­län­der zu nen­nen, mit denen sie in die UN-Klimaverhandlungen geht.« Schät­zun­gen gehen von mehr als 100 Mil­li­ar­den Euro jähr­li­chen Zusatz­kos­ten durch den Kli­ma­wan­del in Ent­wick­lungs­län­dern aus. »Für die EU läge ein fai­rer Anteil, der sich nach den bis­her frei­ge­setz­ten Emis­sio­nen und der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­kraft errech­nen lässt, bei etwa 35 Mil­li­ar­den Euro jähr­lich«, so Harmeling.

Die EU-Regierungschefs ver­schie­ben eine klare Posi­tio­nie­rung auf die Zeit nach Juni. Somit wird ein gan­zer Monat wich­ti­ger Vor­ver­hand­lun­gen Anfang April und Anfang Juni für das ange­strebte Kopenhagen-Abkommen blo­ckiert, da die EU in die­ser zen­tra­len Frage ohne klare Posi­tion da steht. »Das ist ein schwe­rer stra­te­gi­scher Feh­ler. Ver­hand­lungs­grund­lage ist, dass sich das Aus­maß des Kli­ma­schut­zes in Schwellen- und Ent­wick­lungs­län­dern und das Aus­maß der Zusa­gen für Finanz- und Tech­no­lo­gie­ko­ope­ra­tion wech­sel­sei­tig hoch­schau­keln. Das, was die EU jetzt vor­legt, ist eher geeig­net, eine Abwärts­spi­rale in Gang zu set­zen«, kom­men­tiert Chris­toph Bals, der alle bis­he­ri­gen Ver­hand­lungs­run­den beob­ach­tet hat.

Zudem hät­ten die Staats- und Regie­rungs­chefs Vor­schläge für eine umfas­sende Reform des so genann­ten »Mecha­nis­mus zur umwelt­ver­träg­li­chen
Ent­wick­lung« (CDM) vor­le­gen müs­sen. Die EU will einen guten Teil ihrer Kli­ma­ziele durch Maß­nah­men in Ent­wick­lungs­län­dern ableis­ten. Bleibt die jet­zige Form des CDM beste­hen, führt das dazu, dass sich die EU die kos­ten­güns­ti­gen Kli­ma­schutz­mög­lich­kei­ten in den Ent­wick­lungs­län­dern selbst anrech­nen las­sen will. Auch damit unter­grabe sie die Bereit­schaft der Schwellen- und Ent­wick­lungs­län­der selbst immer akti­ver zum Kli­ma­schutz bei­zu­tra­gen. »Des­halb müs­sen die Mecha­nis­men so refor­miert wer­den, dass sie die Entwicklungs- und Schwel­len­län­der bei der Umset­zung von wich­ti­gen, aber nicht ganz kos­ten­güns­ti­gen Kli­ma­schutz­ak­ti­vi­tä­ten unter­stüt­zen. Dies würde auch dazu füh­ren, dass ein grö­ße­rer Anteil an Kli­ma­schutz zu Hause gemacht wird«, erklärt Sven Harmeling.

Infos unter: www.germanwatch.org

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