Repair Café

Reparieren statt konsumieren: Im Repair Café

Kaffee trinken und dabei den Computer selbst reparieren. Klingt, als könnte man in einem Repair Café gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Spaß haben, kreativ sein und was Gutes für Umwelt sowie Geldbeutel tun… Ein Interview mit Manfred Timpe vom Hamburger Repair Café.


Tee trinken und Schrauben drehen!

Es ist rund 5 Jahre her, dass die niederländische Journalistin und Bloggerin Martine Postma genug hatte von unseren Konsum- und Wegwerf-Orgien. Sie initiierte das erste Repair Café in Amsterdam: Ein zwang- und kostenloses Treffen, bei dem man gemeinsam (oder auch alleine) kaputte Dinge repariert.

Hier treffen sich Menschen mit reparaturbedürftigen Dingen mit ehrenamtlichen Reparatur-Experten. Der eine kennt sich mit Elektronik aus, der andere kann stopfen, der Dritte ist Computer-Freak. Ob Toaster, Lieblingspulli oder Laptop – im Repair Café kommen die Dinge wieder in Ordnung…

Mittlerweile haben sich die Repair Cafés nicht nur in den Niederlanden verbreitet. Weltweit soll es bereits über 400 Repair Cafés geben, in Deutschland sollen es rund 50 sein. In Hamburg findet im Stadtteilkulturzentrum HausDrei in Hamburg-Altona am 10. Mai 2014 von 14 bis 17 Uhr das dritte Repair Café (neben dem in Sasel und Bergedorf) statt. Initiator im HausDrei ist Manfred Timpe, der dort unter anderem auch seit über 20 Jahren für die offenen Werkstätten zuständig ist. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt:

Manfred Timpe vom HausDrei in Hamburg-Altona über das Repair Café

Wieso macht ihr ein Repair Café? Was begeistert und motiviert euch?

Manfred Timpe: Das Repair Cafè soll zeigen, dass viele Dinge, die zu schnell auf dem Müll landen, relativ einfach wieder zu reparieren sind. Das verlängert die Nutzungsdauer von Alltagsgegenständen, schont die Umwelt und verschafft auch beim einzelnen einen achtsamen Umgang mit Ressourcen und Materialien.

Das heißt, wir möchten mit dem Repair Café eine Kultur der Reparatur fördern. Beim gemeinsamen Reparieren kann man ungeahnte handwerkliche Fähigkeiten entdecken und mal wieder selbst ans Werk gehen. Dieser Gedanke spielt für das HausDrei schon lange im Rahmen der offenen Werkstätten eine große Rolle.

Zudem ist das Repair Cafè auch ein toller Beitrag zu einer lebendigen Stadtteilkultur: Nachbarn kommen in Kontakt, lernen sich kennen und tauschen sich aus. Die Besucher entdecken, wie viel Wissen, praktische Fähigkeiten und Umweltbewusstsein eigentlich vorhanden sind. Das finden wir gut.

Wer kann da vorbei kommen und mitmachen?

Manfred Timpe: Vorbei kommen und mitmachen kann JedeR. Entweder als Besucher – mit oder auch ohne kaputtem Gegenstand – oder auch gerne als Reparaturexperte, etwa für Nähen oder Elektronik. Es gab zwar schon ein Treffen mit Reparaturexperten, doch wir suchen derzeit vor allem noch Experten aus den Bereichen Elektro, Elektronik/Computer.

Interessenten können sich gerne bei mir melden unter 040/ 38614107 oder manfredtimpe (at) haus-drei.de

Wie organisiert man ein Repair Café – was braucht man dazu? Wie sieht es mit Materialien, Anleitung und Haftung aus?

Manfred Timpe: Man braucht natürlich Räumlichkeiten und ehrenamtliche Reparaturexperten. Außerdem ist es gut Menschen zu haben, die einen bei der Umsetzung und Organisation helfen. Das Netzwerk der Repair Cafés ist sehr aktiv und stellt zum Beispiel Anleitungen für die Organisation von Repair Cafés im Internet zur Verfügung (http://repaircafe.org/de/).

Wichtig für die Organisatoren eines Repair Cafés – aber natürlich auch für die ehrenamtlichen Reparaturexperten und die Besucher ist: Alle Reparaturleistung in einem Repair Café sind eine ehrenamtliche Gefälligkeit, aus der sich weder Rechte noch Pflichten ergeben. Das bedeutet eine Haftung ist ausgeschlossen. Eine Gewährleistung für eine erfolgreiche Reparatur gibt es natürlich nicht.

Bekommt man also auch Unterstützung durch die Community?

Manfred Timpe: Die niederländische Stiftung Repair Café gibt Unterstützung bei der Gründung eines Repair Cafés. Hier erhält man auch umfangreiches Material. Das Netzwerk von Interessierten wächst stetig. Auf lokaler Ebene bilden sich viele anregende Kontakte. Für deutsche Repair Cafés ist die Stiftung Anstiftung & Ertomis (http://anstiftung-ertomis.de/) zuständig. Auch hier bekommt man Infos und Unterstützung.

Vielen Dank für das Gespräch!


 

Interessante Repair-Café-Links:

 


 

 

Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
Ähnliche Artikel

2 Antworten auf "Reparieren statt konsumieren: Im Repair Café"

  1. Kai
    Kai 4 Jahren ago .Antworten

    Viele Unternehmen werden ja schon seit Langem verdächtigt, hier und da bei der Konstruktion ihrer Produkte Schwachstellen – vorsichtig ausgedrückt – zumindest billigend in Kauf zu nehmen. Da werden dann auch mal hitzeempfindliche Bauteile direkt neben Hitzequellen platziert und das Elektrogerät gibt nach einiger Zeit den Geist auf – hoppla! Da sind Reparaturcafés auf jeden Fall ne sinnvolle Maßnahme, damit nicht alles gleich auf den Müll muss…

  2. Maximilian
    Maximilian 4 Jahren ago .Antworten

    Von so einem Repair Café habe ich bisher noch nie gehört, aber echt eine tolle Sache!
    Als Oberösterreicher musste ich natürlich sofort checken, ob es so eine Gaststätte auch in Linz gibt, und siehe da: Gar nicht weit von meinem Heimatort entfernt findet sich auch so ein Café, was für ein Geheimtipp! Da muss ich unbedingt mal hinschauen. Gefällt mir das Konzept, sich gegenseitig zu helfen und alte, kaputte Dinge wieder alltagstüchtig zu machen. Daumen hoch!

Schreibe einen Kommentar