29 Okt 2011

#OccupyDuesseldorf findet den Sanftmut

4 Kommentare Datenschutz & Demokratie, Politik & Gesellschaft

occupy düsseldorf

 

Das Camp in Düs­sel­dorf ist wohl das der­zeit ein­zige Occupy-Zeltlager in Deutsch­land, das den Schutz der Kir­che genießt – und somit unbe­grenz­tes Camp-Recht. Als wir am Abend ankom­men, ist die Asam­blea in vol­lem Schwange. Ein paar Ver­tre­ter von NGOs sind anwe­send und bespre­chend in der Runde, wel­che Koope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten in wel­cher Form mög­lich sind.

Wie ist mit den Medien umzugehen?

Wie in allen Camps steht auch das Camp in Düs­sel­dorf vor der ding­li­chen Frage, wie es mit den Anfra­gen von Medien und ande­ren Orga­ni­sa­tio­nen umge­hen soll: soll man koope­rie­ren? Und wenn ja: wie? In Düs­sel­dorf einigt man sich an die­sem Abend auf die Idee, ein Tref­fen mit Attac und einer Gewerk­schaft in Form einer Asam­blea abzu­hal­ten – also in einer etwas grö­ße­ren Runde und mit den bekann­ten Ver­fah­rens­wei­sen, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­re­geln und Hand­zei­chen, die den direkt­de­mo­kra­ti­schen Ansatz der Bewe­gung sicher stel­len soll.

occupy düsseldorf

Die Truppe dis­ku­tiert noch bis spät in die Nacht. Danach wird gefei­ert – man­che ver­brin­gen so die gesamte Nacht. Am nächs­ten Mor­gen ist die Stim­mung immer noch gut. Abge­se­hen von einem klei­nen Dis­put mit einem Jun­kie. Wie in Frank­furt auch, muss die Gruppe auch ler­nen, mit Pro­blem­fäl­len umzu­ge­hen. Man wird sich – eben­falls wie in Frank­furt – die Unter­stüt­zung eines Street­wor­kers holen.

Die Unter­stüt­zung ist groß

Doch ansons­ten wirkt das Camp eben­falls schon bes­tens orga­ni­siert. »Wir haben unheim­lich schnell alles zusam­men bekom­men, was man für ein ordent­li­ches Camp braucht«, erklärt uns Hanno, einer der Initia­to­ren von Occu­p­y­Du­es­sel­dorf, am Mor­gen im Gespräch. Dazu gehört ein Küchen­zelt mit ent­spre­chen­der Aus­stat­tung; ein Zelt für die Ver­samm­lun­gen, die Asam­bleas; die IT-Infrastruktur, um Livestreams sen­den und die diver­sen Social-Media-Kanäle bedie­nen zu kön­nen. »Selbst Matra­zen wur­den uns von einem Bet­ten­händ­ler ange­lie­fert«, schmun­zelt Hanno.

occupy düsseldorf

 

Das Camp selbst besteht aus geschätzt 20 Zel­ten mit unge­fähr 50 Leu­ten. Auch hier hängt bunte Pro­test­kunst. Die Kir­che stellt sani­täre Ein­rich­tun­gen und eine gemüt­li­che Cafe­te­ria. Das Publi­kum ist extrem gemischt. Wir fin­den junge Stu­die­rende, Aus­stei­ger mitt­le­ren Alters und auch jeman­den, der im Ver­trieb einer gro­ßen Ver­si­che­rung arbei­tet und sich Urlaub genom­men hat, um mit zu zelten.

Den Sanft­mut finden…

»Wich­tig ist, dass wir unse­ren Sanft­mut fin­den«, meint er zu uns. Wobei das Wort ja aus zwei Kom­po­nen­ten bestünde: ein­mal aus dem Begriff der Sanft­heit – also zum Bei­spiel dem Prin­zip der abso­lu­ten Gewalt­frei­heit, dem sich ja auch die Democracia-Real-Ya- oder auch Occupy-Bewegung ver­pflich­tet hat. Und dann aus dem Begriff des Muts. »Und den Mut, den fin­den die meis­ten Men­schen gerade wie­der«, meint er.

occupy düsseldorf

 

Und mit die­sen ermu­ti­gen­den Wor­ten im Ohr set­zen wir uns wie­der in unse­ren Bus, um die Heim­reise anzu­tre­ten: zurück nach Ham­burg. Heute sind wir dann noch mal im Ham­bur­ger Camp für abschlie­ßende Auf­nah­men und Inter­views – und um um  13 Uhr am Med­Mob teil­zu­neh­men, also einem gemein­sa­men »Protest«-Meditieren.

 


Ort: Martin-Luther-Platz, vor der Johan­nes­kir­che
Asam­blea: Täg­lich um 19.30 Uhr
Blog: http://edj-nrw-blog.tosole.de/
Livestream: www.livestream.com/occupyduesseldorf

Tags:, , , , , , ,
Geschrieben von
Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
Ähnliche Artikel

4 Antworten to “#OccupyDuesseldorf findet den Sanftmut”

  1. AntwortenHanno says:

    hey ihr nordlichter,

    schön euch ken­nen­ge­lernt zu haben, hier gehts wei­ter voran, viele neue gesich­ter, neuer input und gute lösun­gen inzwi­schen am start.

    danke für die­ses posi­tive feed­back, wir lie­ben diese revo­lu­tion, auch wenn sie uns fast alles abver­langt, respekt an alle revo­lu­tio­näre denen diese bewe­gung ALLES abverlangt.

    ich ver­wehre mich aber gegen anwürfe, wir hät­ten keine sub­stanz, weil wir von der kir­che unge­fragt sup­port erhal­ten.
    http://occupy-chance.blogspot.com/2011/10/sind-die-noch-zu-retten.html

    wir machen unsere arbeit gewis­sen­haft und wer­den den platz oder den sup­port wech­seln, sobald die insti­tu­tion ihren irr­sinn über uns stülpt oder den ver­such unter­nimmt uns zu ver­ein­nah­men. dies geschieht aber nicht. und wir errei­chen eine breite gesell­schaft­li­che akzep­tanz, weil wir uns recht gut auf den dis­kurs kon­zen­trie­ren und darin auch die kir­chen the­ma­ti­sie­ren. meine unmaß­geb­li­che her­an­ge­hens­weise: beiss die hand die dich füt­tert und du erkennst die auf­rich­tig­keit ihres besitzers.

    in die­sem sinne,

    euer hanno

    • Antwortenilona says:

      Hallo Hanno, unse­ren Dank auch an euch, die ihr da für uns aus­harrt, kämpft, viel­leicht auch mal zwei­felt und hadert, den­noch wei­ter macht und nicht auf­gebt! Ja, ich beob­achte mit Sorge, dass über­all die Gra­ben­kämpfe um die Occupy-Bewegung los bre­chen: Jeder weiß am bes­ten an der Bewe­gung herum zu kri­ti­sie­ren – ganz ange­se­hen von den Strei­te­reien, wer nun »mit­ma­chen« darf und wer nicht… Wer echt »Occupy« ist und wer nicht… Was ich ja von unse­rer Deutschland-Tour mit genom­men habe – und zwar von allen Grup­pen, egal ob sie sich eher Occupy oder eher der spa­ni­schen Demokratie-Bewegung ver­bun­den füh­len – ist der innere Wan­del des Ein­zel­nen. Die Erkennt­nis, dass man in der Gemein­schaft etwas ent­wi­ckeln, errei­chen, bewe­gen kann. Dass man mit sei­nen Sehn­süch­ten etc. nicht alleine ist. Mei­nes Erach­tens sind sol­che Gemein­schafts­er­fah­run­gen sehr wich­tig. Denn aus mei­ner Sicht fehlt vie­len Men­schen in Deutsch­land genau diese Über­zeu­gung und Gewiss­heit, dass man sein Leben selbst gestal­ten kann – und dass die Gren­zen nicht so eng gesteckt sind, wie viele mei­nen. Son­dern dass man sie sich auf­grund sei­ner Sozia­li­sie­rung etc. oft­mals selbst so ersti­ckend eng steckt. Diese Gren­zen zu über­schrei­ten und zu mer­ken, dass sie gar nicht da waren, ist – wie ich finde – schon mal ein ganz wich­ti­ger Schritt (hier haben die Ossis, die die Wende mit erlebt haben, übri­gens einen Vor­sprung gegen­über uns Wes­sis). Der nächste wich­tige Schritt ist aus mei­ner Sicht zu erken­nen, dass der Wan­del nur bei jedem selbst anfan­gen kann – und dass man schon »ver­lo­ren« hat, wenn man nicht abso­lut hun­dert­pro­zen­tig gewalt­frei und fried­lich pro­tes­tiert (siehe auch Gene Sharp »> falls man nicht schon aus ethi­schen Grün­den von der Gewalt­frei­heit über­zeugt ist, dann soll­ten es ganz prak­ti­sche Erwä­gun­gen sein…).

  2. Grüner Typ
    Antworten“Occupy Me!”-Tour | Echte Demokratie Jetzt! says:

    […] 25.10. #OccupyStuttgart: Gespal­te­nes Ländle 26.10. #OccupyFrankfurt: Im Schat­ten der EZB 27.10. #OccupyDuesseldorf fin­det den Sanft­mut 29.10. #Occu­p­y­Ham­burg: Der Wan­del beginnt in uns […]

  3. Grüner Typ
    AntwortenOccupy Me! Der Film. says:

    […] des Camps erklä­ren…… und sind Gast bei einer Asam­blea unter freiem Him­melS­echste Sta­tion: Düs­sel­dorfEine Asam­blea im Haupt­zelt auf dem Kirch­hof­Wir tref­fen Sam, aus Spa­ni­en­Und erfah­ren so […]

Einen Kommentar schreiben