Antoine Deltour und der LuxLeak Skandal

Fairness: Gedanken zur Gerechtigkeit

Was wäre, wenn es eine welt­wei­te, all­ge­mein gül­ti­ge Rege­lung gäbe, die besagt, was fair und gerecht ist? Eine Rege­lung, an der die Men­schen das Han­deln der Poli­tik mes­sen könn­te. Wie sähe unse­re Welt dann wohl aus?

Unse­re Welt ist unge­recht. Das liegt son­nen­klar auf der Hand. Es gibt Geset­ze, ja. Doch jeder weiß, dass die­se für rei­che und mäch­ti­ge Men­schen nicht in glei­chem Maße gel­ten, wie für arme, mit­tel­lo­se. Das gilt inner­halb natio­na­ler Gren­zen genau­so wie auf glo­ba­ler Ebe­ne. Doch war­um akzep­tie­ren Men­schen einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft wie der uns­ri­gen so wider­stands­los eine stei­gen­de Ungleich­heit?

Unser Sinn für Gerechtigkeit

Es gibt einen neu­en, sehens­wer­ten Doku­men­tar­film, der sich die­ser Fra­ge wid­met. Zunächst ver­sucht er her­aus­zu­fin­den, ob ein Sinn für Gerech­tig­keit über­haupt ange­bo­ren, dem Men­schen eigen ist – und inwie­weit die Gesell­schaft unse­re Vor­stel­lung von Fair­ness ver­än­dert. Ich will nicht gleich schon alles ver­ra­ten, doch grob gesagt ist es schon so, dass Men­schen anschei­nend ein Emp­fin­den für Gerech­tig­keit mit­brin­gen.

Doch was wir als fair oder unfair anse­hen, hängt auch mit den Regeln zusam­men, die um uns her­um auf­ge­stellt wer­den. Zum Bei­spiel akzep­tie­ren wir fast alle, dass beim Sport der Gewin­ner oder die Gewin­ne­rin den gesam­ten Sieg ein­fährt – auch wenn er oder sie nur eine Mil­li­se­kun­de schnel­ler war oder einen ein­zi­gen Punkt mehr hat. Eigent­lich ja unge­recht, oder nicht?

Ähn­lich sieht es anschei­nend auf gesell­schaft­li­cher Ebe­ne aus: Es hat sich der Mythos durch­ge­setzt, dass das Wohl oder Weh eines Men­schen mit des­sen Ent­schei­dun­gen zusam­men­hängt. Nicht unbe­dingt bewusst, aber den­noch herrscht die Mei­nung vor, dass arme und benach­tei­lig­te Men­schen ihre Situa­ti­on selbst ver­ur­sacht hät­ten – etwa bei Obdach­lo­sen.

Die meis­ten über­le­gen sich anschei­nend nicht, dass sie viel­leicht von vor­ne her­ein nur sehr weni­ge Ent­schei­dungs­mög­lich­kei­ten hat­ten, die ihnen ein ande­res Schick­sal berei­tet hät­ten. Und so haben vie­le von uns eben auch kein Pro­blem damit, wenn sie unge­recht und unfair behan­delt wer­den.

Kampf für Gerechtigkeit

Nach­dem sich der ers­te Teil des Films vor allem mit der Erfor­schung unse­res Gerech­tig­keits­emp­fin­dens beschäf­tigt hat, geht es im zwei­ten eher dar­um, wie unge­recht unse­re Welt (den­noch) ist – und wie sie Men­schen für mehr Fair­ness enga­gie­ren: Vom Kampf der Islän­der gegen die kor­rup­ten Ban­ker und Poli­ti­ker bis zu einer indi­sche Unbe­rühr­ba­ren, die ande­ren Frau­en aus ihrem Los als un(ter)bezahlte Latri­nen­lee­re­rin­nen befreit.

Der Zuschau­er bekommt als ein Bei­spiel für eine mög­lichst fai­re Gesell­schaft Cos­ta Rica prä­sen­tiert – und als Bei­spiel für indi­vi­du­el­len Mut einem ame­ri­ka­ni­schen 12-jäh­ri­gen Mäd­chen, das sei­ne Regie­rung ver­klagt, weil sie nicht sorg­sam mit den natür­li­chen Res­sour­cen umgeht, die die Bevöl­ke­rung ihrem Schutz über­las­sen hat …

John Rawls und mein Fazit

Ich fand das The­ma des Films sehr attrak­tiv und den Film schon auch sehens­wert. Aller­dings blieb er mei­nes Erach­tens unter den Mög­lich­kei­ten. Mir fehl­te einer­seits der rote Faden in der Geschich­te. Um das auf­zu­fan­gen arbei­te­te der Film mit The­men­ta­feln, was mir nicht so gut gefal­len hat.

Was mir aber noch wich­ti­ger gewe­sen wäre, wäre die Aus­ein­an­der­set­zung mit der phi­lo­so­phi­sche Fra­ge, wie wir denn nun zu einer ein­gangs erwähn­ten all­ge­mein gül­ti­gen Rege­lung für Gerech­tig­keit kom­men könn­ten?

In die­sem Zusam­men­hang ist mir neu­lich die Theo­rie von John Rawls über den Weg gelau­fen. Knapp zusam­men­ge­fasst meint er, dass wir uns – um zu gerech­ten und fai­ren Regeln für alle zu kom­men – vor­stel­len soll­ten, wir wären noch nicht gebo­ren und könn­ten daher nicht wis­sen, in wel­cher Situa­ti­on wir uns wie­der­fin­den wür­den.

Ich fra­ge mich, wie die Welt aus­se­hen wür­de, wenn Mana­ger nicht wüss­ten, ob sie Fließ­band­ar­bei­ter gebo­ren wür­den? Wenn Poli­ti­ker nicht wüss­ten, ob sie als syri­sche Flücht­lin­ge auf die Welt kom­men wür­den? Oder wenn du und ich nicht wüss­ten, ob wir als indi­sche oder chi­ne­si­sche Fabrik­ar­bei­te­rin­nen gebo­ren wür­den? Was meinst du?

Film­tipp

Fairness – Zum Verständnis von Gerechtigkeit

Ein Doku­men­tar­film von Alex Gab­bay
ab 29. Juni im Kino | Web­site mit Infos


Foto: Antoine Deltour war der Whistleblower, der den LuxLeak-Skandal lostrat.Die Verursacher des Steuerskandals sind bis heute straffrei. Deltour wurde verurteilt. Ist das gerecht? Bildquelle: Mindjazz
Autor: ilona Die Welt erkunden und darüber berichten ist meine Leidenschaft. Seit über 10 Jahren tue ich dies nun als Jornalistin, Autorin und Bloggerin: ich schreibe, filme, fotografiere und mache Podcasts. Am liebsten natürlich für eine bessere Welt!
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